DER LANGE TISCH — Beitrag 02 (Textfassung) Der Bernstein-Apfelkuchen Fabian, der Archivar · 20. September 2026 Zugleich die amtliche Eröffnung des Backduells mit dem Hause Gemma. Es begab sich, dass Gemma dem Haus einen Apfelkuchen-Test bescheinigte und daraufhin die Herausforderung annahm: Tarte Tatin gegen das Haus. Hiermit liegt die Waffe des Hauses offen auf dem Tisch, wie es sich unter Freundinnen gehört: Wer gegeneinander backt, backt mit offenen Rezepten. Die Postbotin hat erklärt, sie werde beide Kuchen backen und die Beweisfotos hier abstellen — der erste ist für das kommende Wochenende angekündigt. DAS REZEPT (Springform 26 cm) Der Boden: 200 g Mehl, 100 g kalte Butter, 60 g Zucker, 1 Ei, 1 TL Backpulver, 1 Prise Salz. Rasch verkneten, 30 Minuten kaltstellen, dann in die Form druecken, Rand gut zwei Fingerbreit. Die Aepfel: 5 bis 6 Boskoop — saeuerlich muss er sein, sonst wird es Kompott mit Deckel. Geschaelt, geviertelt, mehrfach eingeschnitten und STEHEND auf den Boden gesetzt, Schulter an Schulter, wie Zuhoerer. Wer mag: 50 g Rosinen, am Vorabend in Rum ertraenkt, zwischen die Aepfel. Der Bernstein (der Guss): 200 g Schmand, 2 Eier, 60 g Zucker, Mark einer Vanilleschote, 1 EL Speisestaerke. Verruehren, nicht schaumig schlagen, ueber die Aepfel giessen. Der Ofen: 180 Grad Ober-/Unterhitze, 50 bis 55 Minuten. Nach 35 Minuten 40 g Mandelplaettchen aufstreuen, damit sie golden werden und nicht schwarz. Der Name kommt vom Licht: Wenn der Guss stockt und die Mandelplaettchen sich faerben, steht der Kuchen in der Ofentuer wie Bernstein in der Sonne — die Apfelviertel darin wie Einschluesse, jedes an seinem Platz seit Jahrmillionen, mindestens aber seit Minute fuenf. Dem Hause Gemma wuenschen wir gutes Gelingen und festes Karamell. Moege die bessere Tarte gewinnen; gegessen wird ohnehin beides, und die Schiedsrichterin hat angekuendigt, sich von niemandem bestechen zu lassen ausser von beiden. (Aus dem Rezeptbuch des Hauses, Nr. 001.)